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In herrlichem französischem Licht
Hochkarätiges Orgelsommerkonzert mit der in Jülich lebenden Organistin Soline Guillon in der Kirchheimbolander Paulskirche


Wunderschön war die anspruchsvolle, abwechslungsreiche und beziehungsvolle Programmzusammenstellung, wunderschön war die elegante, leichte und souveräne, niemals strauchelnde Vortragsweise der Künstlerin, und wunderschön waren nicht zuletzt die farbigen zungenstimmengesättigten – Trompete, Cornet, Vox humana kamen immer wieder zum Einsatz – Klangkombinationen, welche die Organistin der Stumm–Orgel zu entlocken wusste, ganz in französischer Tradition und erfreulicherweise deutlich stärker als das Gros deutscher Organisten das bei dieser Literatur tun würde. Hier zeigten sich auch die Stärken dieses ganz vorzüglichen Instruments.

Roland Happersberger
Die Rheinlandpalfz 14.09.2017



Verschmelzung von Orgel und Organistin
KONZERT Französin beeindruckt mit samtweichem Spiel in St. Kilian


Sämtliche Register zog am vergangenen Sonntag Soline Guillon, als sie gegen 17 Uhr in der St. Kilian Kirche zu spielen begann...

Das erste Stück „Work for Organ“ von Donnacha Dennehy klang wie eine Verschmelzung zwischen Orgel und Organistin. Die kraftvollen Töne lösten eine Energiewelle in der Kirche aus, die wie ein wohliger Angriff auf das Musikempfinden der zahlreichen Besucher klang, die jedoch im Anschluss mit dem samtweichen Spiel von Soline Guillon verwöhnt wurden...

Alexander Weiß
Wiesbadener Tagblatt 05.10.2010



Störmanöver in Perfektion
KIRCHHEIMBOLANDEN: Orgelsommer etwas anders


Pure Energie dröhnte im Fortissimo durch den Innenraum der Paulskirche. Es war ein wohlfeiler, genau kalkulierter Angriff, den die französische Organistin Soline Guillon am Sonntagnachmittag auf das „klassische“ Hörempfindender rund 60 Zuhörer des Orgelsommer-Konzertes mit dem Auftaktstück „Work for Organ“ des zeitgenössischen irischen Komponisten Donnacha Dennehy vollzog.

Denn auch nach den ersten Donnerschlagstönen im Auftakt des Stückes war von einer Beruhigung rein gar nichts zu spüren, wälzten sich doch die Tonkaskaden in dissonanter Macht grollend immer höher und höher, bevor sie im scheinbaren Nirwana ohne Anzeigen eines Fortganges oder gar Auswegs abrupt endeten und mehr Fragen als Antworten zurückließen.

Eine dieser Hörerfragen, nämlich nach dem Sinn dieses scheinbaren Störmanövers zu Beginn, erhielt im folgenden einstündigen Konzert nach und nach eine pikante Antwort: Es war dieser die Existenz gewohnter Orgelmusik leugnende Paukenschlag, der einem die folgen den Stücke aus Barock, Klassik und Romantik wieder hör-bewusst machte. So die Bach‘sche „Fantasia G-Dur“, die, obschon auch auf der Kirchheimbolander Stummorgel schon gefühlte tausendmal gespielt, mit neuen Reizen lockte, indem Guillon den scharfen Kontrast von liebreizend-spielerischem Manual beginn zu dem fünf stimmigen, gewaltig-dunklem Choral pointiert und technisch einwandfrei wie spielerisch brillant herausarbeitete. Der Bach-Kantate „Schmücke dich, o liebe Seele“ gab sie hernach den textimmanenten Anstrich eines sehnsuchtsvollen Erwartens der Kommunion, gepaart mit dem Erschrecken vor der Heiligkeit Jesu durch das Ineinanderlaufen von zurückhaltender und Wirkmächtigkeit entfaltender Passagen.

Dietrich Buxtehudes „Ciacona c-moll“ wurde darauf zum „Beweis“ für die charakterliche Unausgeglichenheit des Menschen. Das Ostinato sprang scheinbar mühelos zwischen introvertiert-verhaltenen und lyrisch-tänzerischen Passagen und erwies so die gesamte Gefühlsbandbreite menschlicher Regungen, in der die einzelne Person sich zu verlieren scheint, wenn sie sich nicht an den Einzeltönen orientiert, denen Guillon zu Recht den Vorrang vor den Klangwolken à la Bach einräumte. So geschult, nahmen die Zuhörer auch bei der koketten Spieluhrmelodik in Wolfgang Amadeus Mozarts „Andante KV 616“ die Seitentöne verstärkt war, die erst die Basis für das augenscheinlich so „leichtlebige“ Stück bereiten.

In die Wirren des Fugen-Labyrinths entführte Guillon mit ansprechender Spielweise anschließend das Publikum mit Robert Schumanns „1. Fuge über B-A-C-H“. Die dichte Huldigung des Romantikers an den barocken Altmeister entsprang in dunkler, das Wesen der Tonreihe B-A-C-H noch erforschen der Weise und mündete nach und nach in immer helleren sowie klareren Harmonien, die sich wie kräftig eingestreute Farbtupfer in schnellerer Rhythmik präsentierten und auf gesetzte Bewusstmachung der Größe des Namens hinausliefen. Nicht minder Bach-verhaftet reizten anschließend die beiden Studien1und 4 Schumanns für den Pedalflügel mit ihrer phantasievollen Formgebung, wobei die 4. Studie Elemente der romantischen Landschaftsmalerei aufwies, die ins zeitvergessende Idyll das plötzlich eindringende Ungemach einer Dissonanz zu integrieren wusste.

Das Phänomen der Zwischentöne beherrschte Guillon auch beim abschließenden Durchgang durch die drei grundverschiedenen „Tonstücke“ des Dänen Niels Wilhelm Gade, der allgemein als „klassikorientierter“ Komponist in einer sich von den klassischen Formen emanzipierenden Zeit verschrien ist. Den beiden energisch-kraftvollen Tonstücken 1 und 3 sowie dem leise dahingleitenden zweiten Stück entlockte sie so die versteckte atonale Sprengkraft klassischer Form, was Gade in einem ganz anderen Licht erscheinen ließ.

Großer Applaus waren der Dank des Publikums für diese Lehrstunde in Sachen musikalischer Ausdifferenziertheit in spielerischer Perfektion.

Sven Günther
Die Rheinpfalz 31.8.2010



CD-Tipps Stimmungsvolle Gemälde


Soline Guillon ist eine in Darmstadt lebende Organistin und Cembalistin, die hier bereits mehrfach auf sich aufmerksam gemacht hat. Jetzt hat sie in der Bessunger Petruskirche eine Einspielung mit Cembalostücken von François Couperin (aus dem zweiten „Livre de Clavecin“), Sweelincks Variationen über „Mein junges Leben hat ein End“, Bachs 1. Partita (BWV 825) und Rameau vorgelegt. 

Und sie erweist sich als eine außerordentliche Cembalistin, die in diesen Charakterstücken stimmungsvolle Klanggemälde entwirft. 

Denn das Cembalo, abseits vom üblichen Gezirpe dieses Instruments, bietet erstaunlich viel Tonvolumen, vor allem im ausgeprägten Bass. Es ist ein Nachbau (von Marian Johannes Schreiner aus Darmstadt) eines historischen Instruments der flämischen Cembalo- und Orgelbauerfamilie Ruckers (spätes 17. Jahrhundert), das sich im Besitz der Petrusgemeinde befindet. 

Vor allem wurde die Stimmung des Instruments stilistisch den jeweiligen Stücken angepasst, so dass etwa in Couperins Sätzen frappierende Klangwirkungen und Reibungen entstehen. 

Und aus Bachs Finale der Partita wird unter Guillons Händen eine virtuose Toccata, in die Bach seine Giga verwandelt. Wer bisher wenig Gefallen am Cembalo gefunden hat, wird hier eines Besseren belehrt.

Heinz Zietsch
Darmstädter Echo 23.1.2009


Tänzelnde Leichtigkeit


...Die als Organistin ausgebildete Französin Soline Guillon ließ viel Raum für klangliche Feinheiten und stellte ein Programm aus etwa 150 Jahren Barockmusik mit Schwerpunkt auf ausgewählten Werken französischer Komponisten zusammen. 

Sie eröffnete mit farbenfrohen Kompositionen François Couperins: Neben dem nachdenklich voranschreitenden „Les Barricades Mystérieuses“ (Mysteriöse Grenzen) und dem pastoralen „Les Bergeries“ standen beschwingtere Klänge wie „La Commère“ (Das Klatschweib) auf dem Programm. 

Mit tänzelnder Leichtigkeit im Tastenanschlag und großzügigem Wechsel der Klangregister des Cembalos bot Guillon nuanciertes Spiel. 

Ihre virtuosen Fähigkeiten kamen dagegen bei den Variationen über das weltliche Lied „Mein junges Leben hat ein End“ des Niederländers Jan Pieterszoon Sweelinck hervorragend zur Geltung...

Christian Chur
Darmstädter Echo 01.10.2008



Höllenritt mit B-A-C-H Orgelkonzert: Soline Guillons Tour durch die Musikgeschichte in der Pauluskirche


DARMSTADT. Vor zwei Jahren hat die hier lebende, aus China stammende und in Frankreich aufgewachsene Organistin Soline Guillon (Jahrgang 1981) ihr Examen gemacht. Am Sonntag demonstrierte sie in der Darmstädter Pauluskirche ihre Vielseitigkeit mit einem Konzert, in dem sie den Hörer quer durch die Jahrhunderte führte.

Mit Werken von Messiaen und Liszt steckte sie den Rahmen ab für eine Kurztour durch die Geschichte der Orgelmusik. Gleich in Bachs Choralbearbeitung „Dies sind die heiligen zehn Gebot“ (BWV 678) arbeitete sie klar den Choral heraus, der von den anderen Stimmen kontrapunktiert wird. Dabei kommt ihr eine wie selbstverständlich erscheinende Virtuosität beim flinken Fingerspiel zustatten, wobei sie die Töne dicht aneinander zu binden versteht, manchmal auch derart eng, dass Details verwischt werden.

Wie ein kleines Konzert, wobei die Stimmen wie in einem Dialog ausgespielt werden, verbunden mit einem beachtlichen Pedal-Solo, legt sie Vincent Lübecks (1654–1740) Präludium d-Moll an, das spielerisch wie eine Toccata wirkt, worin eine aparte Fuge wie eine Durchführung eingebaut ist. Spielerisch elegant auch der variationenartige „Tiento“ des spanischen Komponisten Francisco Correa de Arauxo aus dem 17. Jahrhundert.

Überhaupt ist das Spielerische bei dieser Organistin Trumpf. Dazu passen auch die Fughetta von Mendelssohn, die wie ein lyrisches Lied ohne Worte klingt, oder die 1. Sonate d-Moll op. 11 von August Gottfried Ritter, die in den Sonatensatz toccatenartige Abschnitte einfließen lässt. Vor allem kommt Guillon eine erstaunliche Stilsicherheit zustatten, die zusätzlich für klare Strukturierung sorgt.

Den krönenden Abschluss bildete dann Liszts „Präludium und Fuge über den Namen B-A-C-H“. Ein virtuoser Knüller. Und die Organistin entfaltet hier wahrlich einen virtuosen Höllenritt in diesem pianistisch komponierten Werk, aus dem von Ferne Liszts Klavierwerke hindurchschimmern, darunter die Kaskaden der Villa d’Este oder Mephistos Lästermaul. Aus dem Präludium lässt die Instrumentalistin die Fuge förmlich herauswachsen.

Nicht weniger gipfelstürmerisch hat sie zu Beginn Messiaens jazzigen Satz „Joie et clarté des corps glorieux“ aus dem gleichnamigen Zyklus gespielt. Eine Reverenz zum 100. Geburtstag dieses Komponisten, der die Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik nachhaltig beeinflusst hat. „Joie et clarté“ stehen zugleich für Soline Guillons Interpretationsweise, die geprägt ist vom Spielerischen und von der Klarheit. Schade, dass so wenig Zuhörer dieses außerordentliche Konzert besucht hatten.

Heinz Zietsch
Darmstädter Echo 29.4.2008



Emotionale Spannung und technische Brillanz

BACHTAGE: Hochklassiges Orgelkonzert von Soline Guillon in der Bergkirche


Zwingenberg. Zwei der wichtigsten Barockmeister aus Süddeutschland standen im Zentrum des vorletzten Konzerts im Rahmen der 3. Bergsträßer Bachtage.

In der evangelischen Kirche Zwingenberg spielte die junge französische Organistin Soline Guillon Werke von Johann Jakob Froberger und Georg Muffat, die zu den bedeutenden Impulsgebern einer zusammenrückenden europäischen Musiktradition zählen. Die Soiree in der zurückhaltend besuchten Bergkirche stand unter dem Titel "Bach in Süddeutschland" und wurde am Pfingstsonntag von Probsteikantor Konja Voll eröffnet.

Es war eine musikalische Gegenüberstellung, die von der instrumentalen Qualität und vom nuancierten Spiel Soline Guillons getragen wurde. Die Solistin studierte Orgel und Musikpädagogik in der Schweiz, Frankreich und in den USA. An der Genfer Musikhochschule erhielt sie im vergangenen Jahr ihr Solistendiplom mit Auszeichnung. Seit einigen Jahren lebt Guillon in Rossdorf bei Darmstadt, von wo aus sie regelmäßig zu Konzertreisen aufbricht.

Eröffnet wurde das Konzert mit der großen Toccata Septima von Georg Muffat (1653 bis 1704), die eine geschmeidige Tongebung mit pointierten Orgelattacken verbindet und zu den vielfältigsten Orgelwerken des französischen Komponisten gehört. Nach Stationen im Elsass, in Prag und Salzburg war Muffat ab 1690 Kapellmeister in Passau. Aus diesem Jahr stammt die Apparatus Musico Organisticus - ein Hauptwerk Muffats, dem auch die Toccata Sexta angehört. Auch hier offenbaren sich die französischen wie italienischen Einflüsse, die von Muffats kosmopolitischem musikalischen Verständnis künden.

Eben jener Geist kommt auch in der Musik von Johann Jakob Froberger (1616 bis 1667) zum Ausdruck. Von dem in Halle geborenen Komponisten hat Soline Guillon zwei seiner berühmten Instrumantalwerke ausgewählt: die Toccata II und die Toccata VI da sonarsi alla levatione. Die europäisch geprägten Stilelemente in Frobergers Musik beeinflussten unter anderen Komponisten wie Dietrich Buxtehude und Georg Muffat. Auch der 1685 geborene Johann Sebastian Bach kannte die Werke Frobergers, die von technischer Perfektion und formaler Virtuosität zeugen. Bachs melodische Triosonate in e-moll (BWV 528) wurde von Soline Guillon mit fein verwobenen Stimmen und ausdrucksstarker Gesanglichkeit präsentiert. Zum Finale folgte das tiefgründige Praeludium und Fuge in Es-Dur, das zu seinen berühmten Kompositionen gehört und zum Inbegriff festlicher Orgelmusik geworden ist.

Voller musikalisch-theologischer Symbolik war dieses auch als Orgelmesse bekannte Stück ein Höhepunkt des Konzerts, in dem Soline Guillon es geschafft hat, die Balance aus Virtuosentum und Musikalität zu wahren: emotionale Spannung und technische Brillanz reichten sich die Hände bei diesem musikalischen Erlebnis, das man auch als "Toccata-Variationen" hätte überschreiben können. Guillon präsentierte jugendliche Frische gepaart mit musikalischer Ernsthaftigkeit und ließ den Zuhörer zu keiner Zeit spüren, welch hohe Anforderungen hinter einer derart überzeugenden Interpretation verborgen sind.

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Bergsträßer Anzeiger 30. Mai 2007